Hat der Holocaust wirklich so stattgefunden, wie man uns erzählt?

»Hat der Holocaust wirklich so stattgefunden, wie man uns erzählt?«

Wenn der Holocaust im Unterricht thematisiert wird, schüttelst Du zähneknirschend den Kopf und forderst lauthals Beweise für die angeblichen Verbrechen in den angeblichen Vernichtungslagern? Die jährlichen Gedenkfeiern zur angeblichen Befreiung der angeblichen KZs findest Du abstoßend und fragst Dich, wie viel Geld wohl noch an die dreisten Jüdinnen und Juden fließen muss? Du feierst Phrasen wie „Die Sieger schreiben die Geschichte!“ und bist überzeugt, dass die Fotos der Leichenberge absichtlich von den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges manipuliert wurden. Du findest, verurteilte Holocaustleugner*innen wie Horst Mahler und Ursula Haverbeck sind die wahren Freiheitskämpfer*innen, die den Mut zur Wahrheit haben und das aussprechen, was Du über den Holocaust denkst? Dann muss ich Dich enttäuschen: Der Holocaust ist eines der am besten erforschten Ereignisse der Zeitgeschichte. Er ist eine historische Tatsache – deshalb ist die Leugnung des Holocaust vollkommen absurd.

Jetzt mal in Ruhe…

Seit 1945 hat die Holocaustforschung die systematische Ermordung von sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden in all seinen Aspekten seit 1945 vielfach untersucht und sorgfältig überprüft. Alleine im Vernichtungslager Auschwitz im von Deutschland besetzten Polen ermordeten die Täterinnen und Täter des NS-Regimes weit über eine Million Menschen. Der Großteil hiervon waren Jüdinnen und Juden aus verschiedenen Ländern Europas. Fein säuberlich sind die Namen der Ermordeten in der „Halle der Namen“ dokumentiert, die sich in der bedeutendsten Holocaust-Gedenkstätte namens „Yad Vashem“ befindet.

Holocaustleugner*innen wollen die „Deutungshoheit über die deutsche Geschichte“ (Benz 2009: 407) erlangen. Sie eint das Bestreiten, Umdeuten und Manipulieren und die selektive Auswahl der historischen Quellen, die Fälschung und Erfindung angeblicher Gegenbeweise. Sie behaupten: Die Aussagen der Täterinnen und Täter seien erzwungen oder fehlgedeutet, die Aussagen der Opfer seien erlogen, übertrieben oder verzerrt worden. Mehr noch: Die Beweise für die NS-Verbrechen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern seien eine bloße Fälschung. Die wohl bekannteste Schrift, in der die systematische Ermordung der sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden geleugnet wird, ist der sog. „Leuchter-Report“ des US-amerikanischen Ingenieurs Fred A. Leuchter (vgl. Bastian 1994). Die Ergebnisse seiner Untersuchungen der Gaskammern in Auschwitz basierten auf methodisch unsicheren Messungen des Blausäure-Gehalts an den Wandüberresten der Gaskammern. Seine Behauptung: Es habe keine Vergasungen in Auschwitz gegeben. Bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges behauptete der Franzose Paul Rassinier, einst kommunistischer Widerstandskämpfer im KZ Buchenwald, in seiner Schrift „Die Lüge des Odysseus“, in den Lagern seien „Fleckfieberepedemien“ die häufigste Todesursache der Häftlinge gewesen. Die Behauptungen beider Schriften wurden rasch widerlegt und massiv kritisiert.

Im Weltbild der Holocaustleugner*innen spielen Antisemitismus und Nationalismus eine ganz wesentliche Rolle. Eine Variante lautet: Einflussreiche Jüdinnen und Juden hätten den Holo-caust erfunden, um die Reparationszahlungen fortzuführen und das „Weltjudentum“ zu finanzieren. Eine zweite: Sie hätten den Holocaust erfunden, um den Staat Israel zu schaffen. Der jüdische Staat propagiere den Holocaust immer und immer wieder, um die angeblichen Expansionsziele im Nahen Osten zu legitimieren. So wird das Existenzrecht Israels bestritten – eines Staates, der Holocaust-Überlebenden bis heute einen Schutz bietet. Eine dritte: Sie hätten den Holocaust erfunden, um den Deutschen einen „Schuldkult“ aufzubürden und ein deutsches Nationalbewusstsein dauerhaft zu schwächen. Wenn Holocaustleugner*innen ihre kruden Behauptungen aufstellen, berufen sie sich stets auf die Meinungsfreiheit. Allerdings ist die öffentliche Holocaustleugnung in Deutschland und einigen anderen Ländern strafbar (vgl. Egenberger 2008). Die Strafbarkeit hat seine guten, nachvollziehbaren Gründe: Die Leugnung des Holocaust ist keine Meinung, sondern eine Form verbaler Gewalt, die nicht nur die Millionen Opfer des Holocaust verhöhnt, sondern auch den heute lebenden Jüdinnen und Juden ein bedrohliches Signal sendet.

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  1. Bastian, Til (1994): „Auschwitz und die ‘Auschwitz-Lüge’. Massenmord und Geschichts-fälschung“. Beck Verlag: München.
    Benz, Wolfgang (2009): „Die Funktion von Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus für die rechte Bewegung“. In: Braun, Stephan/Geisler, Alexander/Gerster, Martin (Hrsg.): „Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten“. VS Verlag: Wiesbaden, S. 404-418.
    Egenberger, Christopher (2008): „Holocaustleugnung“, Bundeszentrale für politische Bildung. (URL: www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41342/holocaustleugnung)

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